Frühstartrente beschlossen: Warum ich die Kritik nur teilweise verstehe

Zehn Euro monatlich vom Staat für die Altersvorsorge unserer Kinder. Der Bundestag hat am 16. Oktober 2026 die sogenannte Frühstartrente beschlossen.

Ich finde die Idee gut. Die Rentenlücke wird schließlich nicht kleiner und Altersvorsorge ist etwas, mit dem man meiner Meinung nach gar nicht früh genug anfangen kann.

Natürlich sind zehn Euro monatlich kein Vermögen. Aber wer sich mit dem Thema beschäftigt, weiß, dass beim langfristigen Sparen nicht nur die Höhe der Einzahlungen entscheidend ist, sondern vor allem die Zeit.

Und davon haben Kinder reichlich.

Was ist die Frühstartrente?

Ab 2027 sollen Kinder zwischen sechs und 18 Jahren monatlich zehn Euro vom Staat für ihre private Altersvorsorge erhalten. Das Geld wird in einem Altersvorsorgedepot am Kapitalmarkt angelegt.

Los geht es mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021. Für den Jahrgang 2020 ist sogar eine rückwirkende Förderung für 2026 vorgesehen. Anschließend soll jedes Jahr ein weiterer Jahrgang hinzukommen.

Über zwölf Jahre zahlt der Staat damit insgesamt 1.440 Euro pro Kind ein.

Eltern und Großeltern können zusätzlich Geld einzahlen, und zwar bis zu 6.840 Euro jährlich. Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. An das geförderte Kapital kommt man grundsätzlich frühestens mit 65 Jahren.

Das Bundesfinanzministerium rechnet vor, dass aus der staatlichen Förderung bis zum Rentenalter rund 53.000 Euro werden könnten. Allerdings basiert diese Rechnung auf einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von sieben Prozent. Die ist keineswegs garantiert. Außerdem darf man die Inflation nicht vergessen.

Trotzdem zeigt das Beispiel, was über einen so langen Zeitraum möglich ist.

Das Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Der Bundesrat muss allerdings noch zustimmen.

Warum bekommen ältere Kinder nichts?

Ein Kritikpunkt ist, dass Kinder, die vor 2020 geboren wurden, keine staatliche Förderung erhalten sollen.

Ich kann verstehen, dass das manchen Familien sauer aufstößt. Schließlich macht es für Eltern keinen Unterschied, ob ihr Kind 2019 oder 2020 geboren wurde. Für den Anspruch auf die zehn Euro macht es aber einen gewaltigen.

Trotzdem kann ich die Begrenzung nachvollziehen.

Es bringt wenig, einem 17-Jährigen noch für ein Jahr monatlich zehn Euro zu zahlen. Das wären insgesamt 120 Euro. Natürlich könnte auch dieser Betrag anschließend noch jahrzehntelang wachsen, aber besonders üppig fällt der staatliche Anschub dann nicht aus.

Bei jüngeren Kindern wäre das sicherlich anders. Da hätte man die Altersgrenze durchaus großzügiger gestalten können.

Allerdings muss die Förderung irgendwo anfangen. Sämtliche älteren Jahrgänge rückwirkend einzubeziehen, würde entsprechend mehr Geld kosten. Und irgendein Jahrgang wäre am Ende trotzdem wieder der erste, der nichts bekommt.

Deshalb halte ich die Altersgrenze zwar für diskutabel, aber nicht grundsätzlich für falsch.

Wer mehr Geld hat, kann mehr einzahlen. Ja, und?

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die privaten Zuzahlungen.

Während manche Familien ausschließlich die zehn Euro vom Staat nutzen können, haben andere die Möglichkeit, jeden Monat zusätzlich mehrere Hundert Euro einzuzahlen.

Dadurch entstehen natürlich Unterschiede beim späteren Vermögen.

Aber mal ehrlich: Das ist doch heute schon so.

Wer finanziell besser aufgestellt ist, kann mehr für seine Kinder zurücklegen. Ob auf einem Sparbuch, in einem ETF-Depot oder eben künftig bei der Frühstartrente.

Soll man diesen Familien nun verbieten, zusätzlich Geld anzulegen, damit am Ende alle gleich viel haben?

Das halte ich für Unsinn.

Wer Geld übrig hat und für seine Kinder vorsorgen möchte, soll das doch bitte tun. Genau das sollte man meiner Meinung nach sogar fördern.

Entscheidend ist für mich, dass auch Kinder aus Familien, die sich keine zusätzlichen Einzahlungen leisten können, überhaupt einen Grundstock erhalten.

Bisher hängt die private Altersvorsorge eines Kindes schließlich vollständig davon ab, ob jemand Geld für das Kind zurücklegt.

Mit der Frühstartrente gibt es wenigstens einen kleinen staatlich finanzierten Anfang.

Natürlich schafft das keine vollständige Chancengleichheit. Aber muss das überhaupt der alleinige Anspruch dieser Förderung sein?

Der Staat hat schließlich auch etwas davon

Ich glaube nämlich, dass hinter der Frühstartrente noch eine ziemlich einfache Rechnung steckt.

Je besser Menschen später finanziell abgesichert sind, desto geringer ist möglicherweise ihr Bedarf an zusätzlichen staatlichen Sozialleistungen im Alter.

Und damit hätte der Staat langfristig selbst etwas davon.

Statt erst einzugreifen, wenn Menschen im Rentenalter finanziell nicht mehr über die Runden kommen, versucht man jetzt, die private Vorsorge möglichst früh anzuregen.

Der Staat gibt zehn Euro monatlich dazu. Die Familien sollen nach Möglichkeit selbst noch etwas drauflegen. Und die Kinder wachsen idealerweise damit auf, dass Altersvorsorge etwas völlig Normales ist.

Ich halte das für einen vernünftigen Ansatz.

Natürlich bezeichnet die Bundesregierung auch mehr Chancengleichheit als Ziel der Frühstartrente. Aber für mich liegt der eigentliche langfristige Nutzen darin, dass zukünftige Generationen möglichst früh lernen, selbst finanziell vorzusorgen.

Davon profitieren nicht nur die Menschen selbst, sondern möglicherweise auch die Staatskasse.

Ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht, wird man allerdings erst in einigen Jahrzehnten sehen. Zehn Euro monatlich allein werden schließlich kaum verhindern, dass jemand später auf Grundsicherung angewiesen ist.

Bis zum 35. Lebensjahr ein eigenes Depot eröffnen? Sollte machbar sein!

Eine weitere Regelung sorgt für Kritik.

Wenn Eltern kein eigenes Altersvorsorgedepot für ihr Kind eröffnen, wird das staatliche Geld zunächst gesammelt angelegt. Es geht also nicht verloren, nur weil die Eltern sich nicht darum kümmern.

Später muss der inzwischen erwachsene Mensch allerdings selbst aktiv werden und das angesparte Guthaben in einen eigenen Altersvorsorgevertrag übertragen lassen.

Dafür hat er bis zum 35. Lebensjahr Zeit.

Wer das nicht erledigt, verliert seinen Anspruch auf das angesparte Geld.

Und ganz ehrlich? Das finde ich völlig in Ordnung.

Zwischen dem 18. und dem 35. Geburtstag liegen immerhin 17 Jahre!

Irgendwann muss man auch selbst Verantwortung für seine Finanzen übernehmen. Der Staat legt das Geld an, bewahrt es über Jahre auf und gibt einem reichlich Zeit, sich darum zu kümmern.

Dass es dafür irgendwann eine Frist gibt, ist für mich selbstverständlich. Wo kämen wir denn hin, wenn grundsätzlich sämtliche Ansprüche unbegrenzt bestehen bleiben müssten, nur weil jemand sich nicht darum kümmert?

Eine rechtzeitige Erinnerung wäre sicherlich sinnvoll. Der Bundesrat hat eine solche Information vor dem Verfall auch bereits angeregt.

Aber wer es innerhalb von 17 Jahren nicht schafft, sein Geld in einen eigenen Altersvorsorgevertrag zu übertragen, hat dann eben Pech gehabt.

Viel wichtiger finde ich den frühen Kontakt zur Altersvorsorge

Was mir an der Frühstartrente besonders gefällt, ist der Gedanke, dass sich Familien überhaupt frühzeitig mit dem Thema beschäftigen.

Denn die gesetzliche Rente allein wird für viele Menschen kaum ausreichen, um ihren gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.

Trotzdem wird private Altersvorsorge gerne auf später verschoben.

Erst ist man jung und hat andere Dinge im Kopf. Dann kommen vielleicht Kinder, ein Haus, größere Anschaffungen oder irgendwelche unerwarteten Ausgaben. Und plötzlich ist man 50 und stellt fest, dass bis zur Rente gar nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit bleibt.

Mit der Frühstartrente entsteht zumindest die Möglichkeit, das Thema von Anfang an in den Familienalltag einzubauen.

Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern verfolgen, wie sich das Guthaben entwickelt. Sie können erklären, warum Aktienkurse schwanken und weshalb langfristiges Anlegen trotz dieser Schwankungen sinnvoll sein kann.

Und vielleicht bleibt davon bei den Kindern später etwas hängen.

Ich fände das jedenfalls deutlich wertvoller, als wenn die zehn Euro einfach jahrzehntelang irgendwo liegen und niemand sich dafür interessiert.

Mein Fazit zur Frühstartrente

Ich halte die Frühstartrente für eine gute Idee. Der Staat schafft einen Anreiz, frühzeitig für das Alter vorzusorgen, und könnte damit langfristig sogar seine eigenen Sozialausgaben senken.

Natürlich lösen zehn Euro monatlich nicht das Rentenproblem. Aber wenn dadurch mehr Familien anfangen, sich mit privater Altersvorsorge zu beschäftigen, ist schon einiges gewonnen.

Und mal ehrlich: Lieber früh mit zehn Euro anfangen, als mit 50 festzustellen, dass man vor 30 Jahren hätte anfangen sollen.


Quellen:

Stand: 16. Oktober 2026. Der Bundestag hat die Frühstartrente beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrates und das Inkrafttreten stehen noch aus.

Bilder wurden KI generiert.

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